MD-Prüfungen 2027: Mehr Prüfungen trotz neuer Entlastungsregel

MD-Prüfungen binden in den Krankenhäusern bereits heute erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Nach einer aktuellen Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts sind bundesweit hochgerechnet rund 4.000 Vollkräfte überwiegend mit der Bearbeitung von MD-Prüfungen beschäftigt. Die jährlichen Personalkosten liegen demnach bei rund 245 Millionen Euro. Gleichzeitig rechnen die Kliniken mit weiter steigendem Aufwand. 98 Prozent der befragten Häuser erwarten ab 2027 höhere Prüfquoten. Mehr als die Hälfte hat bereits zusätzliches Personal eingestellt, um das wachsende Prüfvolumen bewältigen zu können.

Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie sich das Medizincontrolling auf die neuen Rahmenbedingungen vorbereiten kann. Denn auch wenn die Bundesregierung inzwischen eine zusätzliche Entlastungsregel beschlossen hat, bleibt der grundsätzliche Trend bestehen: Für einen großen Teil der Krankenhäuser dürfte die Prüfbelastung steigen.

Strengere Prüfquoten ab 2027

Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sollen die Prüfquoten ab 2027 neu gefasst werden. Maßgeblich ist dabei der Anteil der Rechnungen eines Krankenhauses, die bei einer Prüfung nicht beanstandet werden.

Vorgesehen sind künftig drei Stufen:

  • 5 Prozent Prüfquote bei mindestens 80 Prozent unbeanstandeten Rechnungen,
  • 15 Prozent bei einer Quote zwischen 60 und unter 80 Prozent,
  • 25 Prozent bei weniger als 60 Prozent unbeanstandeten Rechnungen. 

Die neuen Prüfquoten verschärfen die Anforderungen insbesondere für Kliniken mit schwächeren Prüfergebnissen. Zwar folgt die Regelung dem Ziel, Häuser mit höheren Beanstandungsquoten intensiver zu kontrollieren, für die betroffenen Krankenhäuser bedeutet sie jedoch zusätzlichen operativen Aufwand: mehr Fallbearbeitung, höhere Anforderungen an die Dokumentation, zusätzliche Abstimmungen mit dem Medizinischen Dienst und gegebenenfalls mehr Auseinandersetzungen über die Abrechnung.

Neue 1-Prozent-Quote soll besonders gute Häuser entlasten

Als Reaktion auf die Kritik aus der Praxis wird eine zusätzliche Prüfquotenklasse eingeführt werden. Krankenhäuser mit mindestens 90 Prozent unbeanstandeten Rechnungen sollen künftig nur noch mit einer Prüfquote von 1 Prozent belegt werden. Das ist grundsätzlich eine Entlastung für Häuser mit sehr guten Prüfergebnissen. Der Effekt dürfte allerdings begrenzt bleiben. Allerdings würden nach der Begründung des Änderungsantrags voraussichtlich nur rund 100 Krankenhäuser die Voraussetzungen für die neue Klasse erfüllen. Pro Haus ist im Durchschnitt mit etwa 30 Prüfungen weniger pro Jahr zu rechnen. Die daraus resultierende finanzielle Entlastung wird auf rund 1.000 Euro jährlich pro Krankenhaus geschätzt. Damit steht die neue Regel in einem deutlichen Verhältnis zu den insgesamt rund 245 Millionen Euro Personalkosten, die Krankenhäuser nach der DKI-Erhebung derzeit für MD-Prüfungen aufwenden. Die Entlastung kommt also nur einem kleinen Teil der Häuser zugute und verändert am grundsätzlichen Prüfaufwand wenig.

Prüfungen werden zur Steuerungsfrage

Für das Medizincontrolling bedeutet das: Die operative Vorbereitung wird wichtiger. Entscheidend ist nicht nur, Prüfungen effizient zu bearbeiten. Ebenso wichtig ist, aus den bisherigen Prüfergebnissen systematisch zu lernen. Welche Fallgruppen werden besonders häufig beanstandet? Wo gibt es wiederkehrende Dokumentationslücken? Welche Fachabteilungen oder Leistungen verursachen überdurchschnittlich hohe Erlösrisiken? Je früher solche Muster sichtbar werden, desto gezielter können Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Dazu gehören unter anderem Schulungen zur Dokumentationsqualität, die Anpassung interner Prozesse und eine engere Zusammenarbeit zwischen Medizincontrolling, ärztlichem Dienst, Pflege und Kodierung. Auch die wirtschaftliche Dimension gewinnt an Bedeutung. Ein steigendes Prüfvolumen verursacht nicht nur Bearbeitungsaufwand, sondern kann auch zu Erlösrisiken führen. Krankenhäuser müssen deshalb zunehmend modellieren, welche Effekte sich aus höheren Prüfquoten auf Wirtschaftsplan, Personalbedarf und Liquidität ergeben können.

Mehr Personal für mehr Prüfungen?

Die DKI-Erhebung zeigt, dass viele Häuser bereits reagieren. Mehr als die Hälfte der befragten Krankenhäuser hat zusätzliches Personal eingestellt oder plant dies, um die wachsenden Anforderungen bewältigen zu können. Das verdeutlicht einen grundlegenden Zielkonflikt: Einerseits sollen Prüfungen Fehlanreize und fehlerhafte Abrechnungen begrenzen. Andererseits bindet das System erhebliche personelle Ressourcen in einem Umfeld, das ohnehin von Fachkräftemangel und Kostendruck geprägt ist. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft spricht deshalb von wachsender Misstrauensbürokratie und fordert über die neue 1-Prozent-Klasse hinaus weitere Vereinfachungen. 

Für Kliniken wird zunehmend entscheidend, wie gut sich die Prüfprozesse selbst organisieren lassen. Ein strukturiertes Berichtswesen, klare Zuständigkeiten und ein frühzeitiger Blick auf Risikofälle können helfen, den Aufwand zu begrenzen.

Für 2027 wird Vorbereitung entscheidend

Mit den neuen Prüfquoten steigt der Druck, Prüfergebnisse systematischer auszuwerten und Risiken frühzeitig zu erkennen. Die entscheidende Frage wird nicht nur sein, wie viele Fälle künftig geprüft werden, sondern wie gut die eigene Organisation auf das steigende Prüfvolumen vorbereitet ist. Für das Medizincontrolling bedeutet das, jetzt Strukturen zu schaffen, mit denen Prüfgeschehen, Erlösrisiken, Personalbedarf und Dokumentationsqualität möglichst transparent gesteuert werden können.

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