
Die größten Krankenhausverbünde in Deutschland konnten ihre wirtschaftliche Position zuletzt weiter ausbauen. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des Klinikrankings von f&w in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Curacon. Für die Analyse wurden die größten Krankenhausbetreiber Deutschlands erneut nach zentralen Struktur- und Leistungsdaten ausgewertet.
Grundlage des Rankings sind vor allem drei Kennzahlen: die Umsatzerlöse der Träger, die Zahl der Beschäftigten sowie die Kapazitäten in Form der akutstationären und akutpsychiatrischen Betten. Auffällig ist vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der größten Krankenhausverbünde. Die Top 50 der Träger steigerten ihre Umsätze zuletzt um rund zehn Prozent. Damit setzt sich ein Wachstumstrend fort, der bereits seit mehreren Jahren zu beobachten ist.
Bemerkenswert ist diese Entwicklung insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Umbrüche im Krankenhaussektor. Die Diskussion um die Krankenhausreform, die Einführung von Leistungsgruppen, neue Vergütungsmodelle wie Hybrid-DRGs sowie der zunehmende Trend zur Ambulantisierung stellen viele Einrichtungen vor erhebliche strukturelle und wirtschaftliche Herausforderungen. Hinzu kommen steigende Kosten, Fachkräftemangel und eine angespannte finanzielle Lage vieler Kliniken. Dass große Krankenhausverbünde dennoch weiter wachsen, deutet darauf hin, dass Größe, Verbundstrukturen und strategische Kooperationen im sich wandelnden Klinikmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Quelle: bibliomedmanager.de
Ein Blick auf die einzelnen Trägergruppen zeigt, dass sich die Struktur des Krankenhausmarktes je nach Eigentumsform deutlich unterscheidet. Das Ranking unterscheidet dabei traditionell zwischen öffentlich-rechtlichen, freigemeinnützigen beziehungsweise konfessionellen sowie privaten Krankenhausverbünden. In allen drei Bereichen bleiben die führenden Akteure weitgehend stabil, dennoch zeigen sich Unterschiede bei Größe, Wachstum und wirtschaftlicher Struktur.
Im öffentlich-rechtlichen Bereich hat sich an der Spitze kaum etwas verändert. Die BG Kliniken, Vivantes und die Knappschaft Kliniken führen weiterhin das Ranking der größten kommunalen und öffentlich getragenen Krankenhausverbünde an. Dahinter folgen mehrere große psychiatrische Versorgungsverbünde, darunter die Einrichtungen der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie weitere regionale Anbieter. Erst danach reihen sich größere kommunale Klinikverbünde und Stadtversorger ein. Auffällig ist, dass die größten öffentlich-rechtlichen Träger inzwischen jeweils Umsätze im Milliardenbereich erzielen.
Auch im freigemeinnützigen und konfessionellen Sektor bleiben die Spitzenpositionen weitgehend unverändert. Angeführt wird das Ranking weiterhin von den Alexianern, gefolgt von Agaplesion. Dahinter konnten sich die Johanniter zuletzt auf einen der vorderen Plätze verbessern. In dieser Gruppe finden sich zahlreiche große Verbünde kirchlicher oder gemeinnütziger Trägerschaft, die in vielen Regionen eine zentrale Rolle in der Krankenhausversorgung spielen. Insgesamt zeigt sich auch hier ein deutliches Wachstum der Umsätze innerhalb der vergangenen Jahre.
Im privaten Krankenhaussektor bleibt die Rangfolge ebenfalls konstant. An der Spitze steht weiterhin Helios, gefolgt von Asklepios und den Sana Kliniken. Diese drei Konzerne verfügen über besonders große Strukturen und erreichen Umsätze in Milliardenhöhe. Gleichzeitig zeigt sich im privaten Segment eine größere Bandbreite bei der wirtschaftlichen Größe der Anbieter. Während die größten privaten Krankenhausketten sehr hohe Umsätze erzielen, liegen kleinere private Klinikgruppen deutlich darunter.
Quelle: bibliomedmanager.de
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Neben dem kurzfristigen Umsatzwachstum zeigt das Klinikranking auch einen längerfristigen strukturellen Trend: Die größten Krankenhausverbünde haben ihre wirtschaftliche Bedeutung in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Seit dem Bilanzjahr 2018 sind die Umsätze der größten Träger insgesamt deutlich gestiegen. Selbst unter Berücksichtigung der Inflation ergibt sich ein klarer realer Zuwachs. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich der Krankenhausmarkt zunehmend auf größere Verbünde konzentriert.
Damit verbunden ist eine zunehmende Konsolidierung des Marktes. Zusammenschlüsse, Kooperationen und Verbundstrukturen gewinnen für viele Träger an Bedeutung. Gerade größere Krankenhausgruppen verfügen häufig über mehr organisatorische und wirtschaftliche Ressourcen, um auf regulatorische Veränderungen, steigende Kosten oder Investitionsbedarfe zu reagieren.
Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist die Krankenhausreform. Mit der Einführung von Leistungsgruppen, neuen Vergütungsmodellen und einer stärkeren Spezialisierung der Versorgung verändert sich die Struktur der Krankenhauslandschaft. In vielen Bundesländern werden derzeit neue Krankenhauspläne erarbeitet oder bestehende Planungen angepasst. Diese Prozesse führen dazu, dass Krankenhäuser ihr Leistungsportfolio neu ausrichten oder sich stärker mit anderen Einrichtungen vernetzen.
Hinzu kommt der Transformationsfonds, der Investitionen in strukturelle Veränderungen fördern soll. Die finanziellen Mittel sind unter anderem dafür vorgesehen, Kooperationen zu unterstützen, Versorgungsschwerpunkte zu bündeln oder neue Versorgungsstrukturen aufzubauen. Beobachter:innen gehen daher davon aus, dass der Fonds den Trend zur Verbundbildung weiter verstärken könnte. Große Trägergruppen könnten ihre Position dadurch weiter ausbauen, während kleinere Häuser stärker unter Druck geraten könnten, sich neuen Strukturen anzuschließen.
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