Leitfaden „Wege zur Anerkennung

Für Menschen, die ihre Ausbildung oder Studium im Ausland abgeschlossen haben, ist oft ein Anerkennungsprozess notwendig, bevor sie in Deutschland in ihrem Beruf arbeiten dürfen. Dieser Prozess kann auf den ersten Blick komplex erscheinen – doch mit guter Vorbereitung, Geduld und den richtigen Informationen ist er gut zu bewältigen. 

Im Leitfaden „Wege zur Anerkennung“ beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Anerkennungsverfahren in Deutschland.

#8 Was ist der Unterschied zwischen einem Anpassungslehrgang und einer Kenntnisprüfung?

Während des Anerkennungsverfahrens kann die zuständige Anerkennungsstelle feststellen, dass wesentliche Inhalte der ausländischen Qualifikation von denen der deutschen Ausbildung abweichen. Diese Unterschiede müssen ausgeglichen werden, bevor die Anerkennung erteilt werden kann. In der Regel stehen dafür zwei offizielle Ausgleichsmaßnahmen zur Verfügung:

  • Anpassungslehrgang
  • Kenntnisprüfung

Beide Wege führen zur vollständigen Anerkennung – unterscheiden sich aber in Ablauf, Anforderungen, Dauer und persönlicher Ausrichtung. In diesem Beitrag erklären wir verständlich, was die Unterschiede sind und wie Sie den für Sie passenden Weg finden.

Warum gibt es Anpassungsmaßnahmen?

In Deutschland sind Pflege- und Gesundheitsfachberufe gesetzlich geregelt. Das bedeutet, dass bestimmte Ausbildungsinhalte, praktische Erfahrungen und gesetzliche Kenntnisse nachgewiesen werden müssen, um sicher und verantwortungsvoll arbeiten zu dürfen.

Wenn die ausländische Ausbildung nicht vollständig vergleichbar ist, weist die Behörde im sogenannten Defizit- oder Zwischenbescheid darauf hin, welche Inhalte fehlen – und fordert dazu auf, diese über einen Anpassungslehrgang oder eine Kenntnisprüfung auszugleichen.

Was ist ein Anpassungslehrgang?

Ein Anpassungslehrgang (Anpassungsmaßnahme) ist eine strukturierte Qualifizierungsmaßnahme, um gezielt fehlende Inhalte der Ausbildung nachzuholen. Er kann theoretische Unterrichtsteile sowie praktische Einsätze umfassen.

Ziel und Inhalte
Ziel des Anpassungslehrgangs ist es, alle Kompetenzen zu erwerben, die laut Behörde fehlen. Dazu gehören beispielsweise:

  • theoretische Inhalte der deutschen Ausbildung,
  • praktische Einsätze unter Anleitung,
  • Fachkenntnisse, die in der bisherigen Ausbildung nicht oder nicht ausreichend vermittelt wurden.

Dauer und Struktur
Wie lange ein Anpassungslehrgang dauert, hängt vom Umfang der festgestellten Defizite ab. Er kann

  • mehrere hundert Stunden umfassen,
  • bis zu drei Jahre dauern,
  • individuell gestaltet werden – abhängig vom Zwischenbescheid.

Der theoretische Teil findet in staatlich anerkannten bzw. gleichgestellten Einrichtungen statt.
Der praktische Teil erfolgt unter Aufsicht qualifizierter Fachkräfte, z. B. in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Physiotherapiepraxen.

Abschluss und Nachweis
Der Lehrgang endet mit einem Abschlussgespräch, in dem die erworbenen Kompetenzen nachgewiesen werden. Die Bildungseinrichtung stellt eine Bescheinigung über die erfolgreich absolvierten Inhalte aus.
Diese Bescheinigung wird bei der Behörde eingereicht und führt zur Anerkennung.

Was ist eine Kenntnisprüfung?

Die Kenntnisprüfung ist eine staatliche Prüfung, mit der Sie nachweisen, dass Ihr Wissen dem Niveau der deutschen Berufsausbildung entspricht – ohne vorher einen Anpassungslehrgang zu absolvieren.

Ziel und Aufbau
In der Prüfung zeigen Sie, dass Sie über alle Kompetenzen verfügen, die für eine sichere und qualitätsbewusste Berufsausübung in Deutschland erforderlich sind. Sie umfasst:

  • theoretische Prüfungsteile,
  • praktische Aufgaben,
  • ggf. ein mündliches Gespräch.

Die genaue Struktur richtet sich nach dem Beruf und dem jeweiligen Bundesland.

Vorbereitung
Da die Prüfung auf Deutsch stattfindet, sind gute Fach- und Sprachkenntnisse (in der Regel ab Niveau B2) erforderlich. Die Vorbereitung kann selbständig erfolgen oder im Rahmen eines gezielten Vorbereitungskurses.

Wie treffe ich die richtige Entscheidung?

Die Wahl zwischen Anpassungslehrgang und Kenntnisprüfung hängt von mehreren Faktoren ab:

1. Berufserfahrung und Sicherheit im Fachwissen
Sind Sie bereits fachlich sehr sicher und verfügen über gute Deutschkenntnisse, kann die direkte Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung sinnvoll sein.
Wenn Sie das deutsche Berufsbild und die Fachsprache zunächst vertiefen möchten, bietet ein Anpassungslehrgang eine strukturierte Begleitung.

2. Zeit und Lernmethoden
Ein Anpassungslehrgang ist praxisorientiert und begleitet. Wer schrittweise lernen möchte, profitiert davon.
In einigen Fällen kann eine Kenntnisprüfung jedoch sinnvoller sein – beispielsweise dann, wenn der Defizitbescheid sehr umfangreich ist und ein Anpassungslehrgang entsprechend lange dauern würde.

3. Sprachkenntnisse
Für beide Wege sind gute Deutschkenntnisse notwendig, insbesondere für Prüfungssituationen und die Arbeit im Gesundheitswesen.

Praxisbeispiel: Praxisseminar Physiotherapie der mibeg-Institute

Ein Beispiel für einen solchen Qualifizierungsweg ist unser Praxisseminar Physiotherapie. Der Kurs richtet sich an international ausgebildete Physiotherapeut:innen, die ihre Berufsqualifikation in Deutschland anerkennen lassen möchten.

Er vermittelt fachlich fundierte Inhalte, die häufig Teil eines Anpassungslehrgangs sind, und bereitet zugleich auf die Kenntnisprüfung vor.

Die Teilnehmenden trainieren u. a.:

  • praxisnahe Behandlungstechniken,
  • berufsbezogene Fachsprache,
  • medizinische Grundlagen,
  • Kommunikation und Gesprächsführung.

Am Ende folgt – je nach individuellem Weg – das Abschlussgespräch oder die Kenntnisprüfung.

Fazit

Der Anerkennungsprozess in Pflege- und Gesundheitsfachberufen kann herausfordernd sein – doch mit den richtigen Informationen und einer gezielten Vorbereitung ist er gut zu bewältigen.
Anpassungslehrgänge bieten eine praxisorientierte Möglichkeit, fehlende Inhalte nachzuholen. Kenntnisprüfungen sind ein direkter Weg zur Anerkennung und können in bestimmten Fällen schneller sein.

Beide Wege führen zum Ziel – der vollen Anerkennung Ihres Abschlusses – und ermöglichen Ihnen den Einstieg in eine qualifizierte Tätigkeit im deutschen Gesundheitswesen.

Wenn Sie Unterstützung bei der Wahl des richtigen Weges oder bei der Vorbereitung benötigen, beraten wir Sie gerne – auch im Rahmen unseres Informationsseminars „Wege zur Anerkennung“.

 

 

Diese Seminar könnten Sie interessieren:

Informationsseminar "Wege zur Anerkennung"
Anpassungslehrgang / Kenntnisprüfung Physiotherapie

Polzin.jpg

Cecile Polzin

Cecile Polzin ist Projektleiterin bei den mibeg-Instituten und Expertin für Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Mit mehrjähriger Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung von Bildungsangeboten für ausländische Ärzt:innen bringt sie fundiertes Fachwissen und praxisnahe Perspektiven in ihre Arbeit ein. 

Heute liegen ihre Schwerpunkte in der Entwicklung neuer Bildungsformate, im Qualitätsmanagement sowie in der Beratung von Anerkennungsverfahren für internationale Fachkräfte.