Der Weg zur Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses ist selten gerade, oft herausfordernd – aber er führt ans Ziel. Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Geschichte von Barbara Gubernatis Silvano, die 2015 in Chile ihr Studium der Physiotherapie erfolgreich abschloss und 2022 ihren Weg nach Deutschland wagte.
Nach ihrer Ankunft besuchte sie dann im jahr 2023 unser 9. Praxisseminar Physiotherapie – eine intensive Vorbereitung auf die Anerkennungsprüfung, die fachliche Kompetenzen vertieft, Sicherheit im beruflichen Alltag vermittelt und die Grundlage für die vollwertige Berufsausübung schafft.
Mit Erfolg: Frau Gubernatis Silvano bestand ihre Anerkennungsprüfung und erhielt ihre deutsche Berufszulassung als Physiotherapeutin. Seither arbeitet sie engagiert in ihrem Beruf – und seit Anfang 2025 ist sie zusätzlich als Dozentin in unserem Praxisseminar Physiotherapie tätig.
Foto: Start des 9. Praxisseminar Physiotherapie
(6. von links: Barbara Gubernatis Silvano)
Wir freuen uns sehr, dass sie ihr Wissen und ihre Erfahrung nun an internationale Physiotherapeut:innen weitergibt. Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie fachliche Stärke, Durchhaltevermögen und konsequentes Lernen zusammenwirken können, um berufliche Träume wahr werden zu lassen.
Doch wie hat sie ihren Anerkennungsweg erlebt? Welche Hürden musste sie meistern und was motiviert sie heute, selbst zu unterrichten?
Wir haben nachgefragt:
1. Was waren für Sie persönlich die größten Herausforderungen auf dem Weg zur Anerkennung in Deutschland und was hat Ihnen geholfen, diese zu meistern?
Die größte Herausforderung auf meinem Weg zur Anerkennung war eindeutig die deutsche Sprache. Zwar habe ich bereits vor meiner Ankunft in Deutschland die Sprachkurse A1 bis B1 online absolviert und nach meiner Ankunft vor etwas mehr als vier Jahren weitere sechs Monate intensiv eine Sprachschule besucht. Dennoch habe ich schnell gemerkt, dass Sprachkurse allein nicht ausreichen, um sich im realen Berufsalltag sicher zu bewegen.
Entscheidend für meine sprachliche Entwicklung war nicht nur die tägliche und intensive Konfrontation mit der Sprache – insbesondere im Arbeitsumfeld –, sondern auch das eigenständige Lernen zu Hause, zum Beispiel durch regelmäßiges Wiederholen, das Lesen von Büchern auf Deutsch sowie das Hören von Podcasts und das Anschauen von Serien auf Deutsch. Darüber hinaus nehme ich weiterhin privat Unterricht, Online-Kurse und andere Lernangebote wahr, um mein Deutsch zu verbessern - schließlich weiß ich nicht, ob man die Sprache jemals „fertig“ lernen kann.
Ein weiterer wichtiger Faktor war für mich, die Angst vor Fehler. Die meisten Menschen verstehen, dass man aus einem anderen Land kommt und Deutsch nicht die Muttersprache ist. Aus diesem Grund halte ich es für sehr wichtig, bescheiden zu bleiben. Man sollte bereit sein, nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur dieses Landes kennenzulernen. Ich hatte das Glück, Kolleg:innen und Patient:innen zu treffen, die mir immer wieder geholfen haben, schnellere Fortschritte mit der Sprache zu machen.
Erst diese Kombination aus kontinuierlichem Lernen, Offenheit für Korrekturen und aktiver Auseinandersetzung mit Sprache und Kultur hat mir ermöglicht, mich sprachlich und fachlich sicherer zu fühlen. Ein Sprachzertifikat bedeutet leider nicht automatisch, dass man sich fachlich, sozial und sprachlich frei ausdrücken kann.
2. Haben Sie Tipps für internationale Physiotherapeut:innen, die aktuell den Weg zur Anerkennung gehen?
Bezogen auf den Anerkennungsprozess insgesamt denke ich, dass Interessierte heutzutage durch mibeg und bene+ eine sehr gute Unterstützung erhalten. Sie begleiten den Anerkennungsprozess, um ein besseres Verständnis über den ganzen Verlauf zu vermitteln.
Unabhängig davon ist es jedoch wichtig, sich bewusst zu machen, dass der Anerkennungsprozess zeitlich intensiv ist und wie eine Vollzeittätigkeit erlebt wird.
Viele Teilnehmende berichten, dass sie nach dem Unterricht wenig Zeit zum Lernen haben - was absolut nachvollziehbar ist. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, den Prozess in einen größeren Rahmen anzusehen: Die Theoriephase dauert vier Monate, gefolgt von einer Praxisphase von drei bis sechs Monaten. Diese Zeit ist begrenzt und eine mentale Vorbereitung ist essenziell.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, früh Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Dazu gehört, sich eigenständig mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen - nicht nur auf theoretischer Ebene, sondern auch praktisch. Der Transfer zwischen Theorie und Praxis, zum Beispiel durch das regelmäßige Erarbeiten von Fallbeispielen, ist wichtig. Auch wenn dies manchmal mühsam oder repetitiv erscheinen kann, ist Wiederholung letztlich der Schlüssel zum Lernen. Sie trägt nicht nur zu einer sicheren Durchführung der Techniken bei, sondern fördert vor allem das klinische Reasoning, das einen zentralen Bestandteil unserer Arbeit als Physiotherapeut:innen darstellt.
3. Wie haben Sie das Praxisseminar Physiotherapie erlebt? Was war für Sie besonders hilfreich in der Vorbereitung auf die Anerkennungsprüfung?
Der Kurs bei bene+ ist didaktisch so aufgebaut, dass die Präsenzveranstaltungen dabei helfen, klar zu verstehen, was in der Anerkennungsprüfung erwartet wird und welche Anforderungen auch im physiotherapeutischen Berufsalltag in Deutschland bestehen. Die Unterrichtseinheiten bieten eine wichtige Orientierung und eine klare Struktur.
Gleichzeitig ist der Kurs bewusst so organisiert, dass ein Teil des Lernprozesses in der Eigenverantwortung der Teilnehmenden liegt. Das Konzept sieht vor, dass auf jeweils 45 Minuten Präsenzunterricht mindestens 15 Minuten Selbststudium folgen sollten. Für mich war es entscheidend, dieses Prinzip ernst zu nehmen und kontinuierlich selbstständig zu lernen, Inhalte zu wiederholen und praktisch zu üben.
Ebenso wichtig war es, bei offenen Fragen aktiv auf die Dozent:innen zuzugehen und Unterstützung einzufordern. Die Kombination aus klar strukturiertem Unterricht bei bene+ und eigenverantwortlichem Lernen hat mich gezielt auf die Anerkennungsprüfung vorbereitet.
4. Was motiviert Sie, nun selbst als Dozentin tätig zu sein und was möchten Sie den internationalen Kolleg:innen mitgeben, die aktuell ihren Weg zur Anerkennung gehen?
In meinem Herkunftsland Chile habe ich bereits erste Erfahrungen als Dozentin an der Universität gesammelt. Diese Vorerfahrung, kombiniert mit meinem eigenen Anerkennungsprozess in Deutschland, motiviert mich sehr, nun selbst als Dozentin tätig zu sein.
Da ich den gesamten Weg selbst durchlaufen habe, kann ich mich gut in die Situation der Teilnehmenden hineinversetzen. Ich weiß, wie anspruchsvoll und intensiv dieser Prozess ist – besonders, wenn man in ein neues Land kommt, mit einer anderen Sprache und Kultur. In meiner Arbeit ist es mir daher wichtig, empathisch zu sein und den Fokus auf die Inhalte zu legen, die aus meiner eigenen Erfahrung für die Anerkennung besonders relevant sind.
Was ich den internationalen Kolleg:innen mitgeben möchte, ist vor allem eines:
Mit Durchhaltevermögen, täglichem Lernen und der richtigen Unterstützung ist dieser Weg machbar. Wenn ich es geschafft habe, dann schafft ihr das auch!
Wir wünschen Frau Gubernatis Silvano für ihren weiteren Weg als Physiotherapeutin in Deutschland viel Erfolg - und freuen uns, dass sie ihre Erfahrung nun mit anderen teilt und zukünftige Kolleg:innen auf dem Weg zur Berufszulassung unterstützt.
Dann laden wir Sie herzlich zu unserer kostenlosen Online-Informationsveranstaltung "Wege zur Anerkennung" ein, die jeden Dienstag um 9.30 Uhr stattfindet. Dort beantworten wir Ihre Fragen rund um die Anerkennung und beraten Sie gerne persönlich.
Übrigens: Das erfolgreiche Praxisseminar Physiotherapie bieten wir ab April 2026 erstmals auch in Hamburg an - eine großartige Gelegenheit für alle, die den nächsten Schritt in Richtung Anerkennung gehen möchten.

Cecile Polzin
Cecile Polzin ist Projektleiterin bei den mibeg-Instituten und Expertin für Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Mit mehrjähriger Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung von Bildungsangeboten für ausländische Ärzt:innen bringt sie fundiertes Fachwissen und praxisnahe Perspektiven in ihre Arbeit ein.
Heute liegen ihre Schwerpunkte in der Entwicklung neuer Bildungsformate, im Qualitätsmanagement sowie in der Beratung von Anerkennungsverfahren für internationale Fachkräfte.