Seit dem 1. Juli 2026 steht Dr. Sonja Optendrenk an der Spitze des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie folgt als unparteiische Vorsitzende auf Prof. Josef Hecken, der sein Amt aus persönlichen Gründen zum 30. Juni niedergelegt hat. Gleichzeitig übernimmt Optendrenk kraft Amtes den Vorsitz des Innovationsausschusses beim G-BA.
Hecken hat den G-BA rund 14 Jahre lang als unparteiischer Vorsitzender geprägt. In seine Amtszeit fielen zahlreiche Entscheidungen zu Leistungsansprüchen der Versicherten, Qualitätssicherung, Arzneimittelversorgung, neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sowie zur Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen.
Optendrenk bringt umfangreiche Erfahrung aus Gesundheitspolitik und Verwaltung mit. Vor ihrem Wechsel zum G-BA war sie von 2024 bis 2026 Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Zuvor leitete sie im Bundesgesundheitsministerium unter anderem die Abteilung „Gesundheitsversorgung, Krankenversicherung“ sowie die Leitungsabteilung. Weitere berufliche Stationen führten sie ins Bundeskanzleramt und ins Bundesfinanzministerium.
Beim G-BA übernimmt sie neben dem Vorsitz auch die Leitung der Unterausschüsse Arzneimittel, Bedarfsplanung und Zahnärztliche Behandlung. Die übrigen Unterausschüsse werden weiterhin von den unparteiischen Mitgliedern Karin Maag und Dr. Bernhard van Treeck geleitet.
Zum Amtsantritt betonte Optendrenk, dass Entscheidungen im G-BA zügig, transparent und auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden sollen. Sie übernimmt den Vorsitz in einer Phase, in der zahlreiche gesundheitspolitische Reformen unmittelbar auf die Arbeit des G-BA wirken – von Fragen der Versorgungsplanung und Qualitätssicherung über Arzneimittel und Bedarfsplanung bis zur Weiterentwicklung sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen.
Eine der ersten Veränderungen betrifft zugleich den von ihr geleiteten Innovationsausschuss. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wird dessen jährliches Fördervolumen ab 2027 von 200 auf 100 Millionen Euro halbiert. Optendrenk warnte kurz nach ihrem Amtsantritt davor, dass damit die Rahmenbedingungen für eine wirksame Projektförderung schwieriger würden.
Mit Optendrenk übernimmt eine gesundheitspolitisch erfahrene Verwaltungsfachfrau ein Gremium, dessen Entscheidungen für nahezu alle Bereiche der gesetzlichen Gesundheitsversorgung maßgeblich sind. Wie sie den G-BA in einer Phase umfassender Reformen positionieren und die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure gestalten wird, dürfte deshalb in den kommenden Monaten aufmerksam verfolgt werden.