
Gewalt in der Gesundheitsversorgung ist ein sensibles und zugleich hoch relevantes Thema. Im mibeg Lunchtime Talk am 1. Juni 2026 gab Anja Bergmann, M.Sc., einen kompakten Einblick in Grundlagen, Auslöser und Präventionsmöglichkeiten von Gewalt in Pflege und Gesundheitsversorgung.
Zu Beginn wurde deutlich: Gewalt kann viele Formen annehmen – körperlich, psychisch, sexualisiert, aber auch in Form von Vernachlässigung oder Freiheitsentzug. Entscheidend ist dabei nicht allein die Absicht der handelnden Person. Ob eine Situation als gewaltvoll erlebt wird, hängt wesentlich auch von der Perspektive der betroffenen Person ab. Gewaltprävention beginnt daher mit Sensibilisierung und einem differenzierten Verständnis des Themas.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf möglichen Auslösern und Folgen von Gewalt. Persönliche, situative und strukturelle Faktoren wirken dabei häufig zusammen: etwa hohe Arbeitsbelastung, Personalmangel, Kommunikationsbarrieren, lange Wartezeiten, fehlende Informationen oder der Verlust von Autonomie. Die Folgen betreffen Beschäftigte, Einrichtungen und Menschen mit Pflegebedarf gleichermaßen – von körperlichen und psychischen Belastungen bis hin zu steigenden Fehlzeiten, Fluktuation und einer sinkenden Versorgungsqualität.
Deutlich wurde im Vortrag auch: Gewaltprävention ist eine organisationale Aufgabe. Wirksame Prävention setzt Risikoanalysen voraus, die die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Einrichtung berücksichtigen. Maßnahmen sollten einrichtungsspezifisch, ganzheitlich und partizipativ entwickelt sowie von der Leitungsebene aktiv unterstützt werden.
Anja Bergmann ordnete zudem rechtliche Rahmenbedingungen ein und stellte Unterstützungsangebote wie das PEKo-Programm vor. Der Lunchtime Talk machte deutlich: Gewaltprävention ist Teil von Arbeitsschutz, Qualitätsmanagement, Führung und Organisationsentwicklung. Ein professioneller Umgang mit Gewalt beginnt dort, wo Risiken erkannt, offen angesprochen und gemeinsam bearbeitet werden.