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Mibeg Lunchtime Talk: Ambulantisierung und Hybridisierung: Steuern mit Benchmarking und Predictive Analytics
 

Im Lunchtime Talk vom 2. Februar 2026 widmete sich Dr. Peter Leonhardt den aktuellen Entwicklungen rund um die Ambulantisierung und dem Umgang mit Hybrid-DRGs in der Krankenhauspraxis. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Krankenhäuser medizinisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und organisatorisch sauber mit den neuen Versorgungsformen umgehen können.

Steuerung über Kennzahlen und Simulationen

Ein zentrales Thema des Vortrags war die Frage, wie sich Krankenhäuser strategisch und operativ auf die Ambulantisierung einstellen können. Dr. Leonhardt stellte dazu ein kennzahlenbasiertes Steuerungssystem vor, mit dem Verbundhäuser ihre Ergebnisse vergleichen und gezielt weiterentwickeln können.

Anhand von Quartilen und Ampellogiken wird sichtbar gemacht, wie hoch beispielsweise der Anteil potenziell ambulantisierbarer Fälle ist oder wie groß das Risiko einer MD-Prüfung ausfällt. Auffällig ist dabei die teils erhebliche Spannweite zwischen einzelnen Fachabteilungen, selbst innerhalb derselben Disziplin.

Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Fallreport. Damit können Krankenhäuser:

  • stationäre Fälle in ambulante oder hybride Szenarien überführen,
  • Erlösveränderungen simulieren,
  • Analysen bis auf Ebene einzelner Behandlungsfälle durchführen.

Über einen integrierten EBM-Übersetzer lassen sich zudem ambulante Abrechnungsszenarien realistisch abbilden. Ziel ist es, nicht nur retrospektiv zu analysieren, sondern frühzeitig zu erkennen, wie sich Leistungsstrukturen und Erlöse künftig verändern.

Hybridisierung als strategische Herausforderung

Dr. Leonhardt machte deutlich, dass Hybridisierung weit mehr ist als die Vermeidung einer Übernachtung. Vielmehr erfordert sie tiefgreifende Anpassungen in Organisation, Prozessen und Personalstrukturen. Nur wenn diese Bereiche zusammenspielen, lassen sich Hybridleistungen dauerhaft wirtschaftlich erbringen.

Als besonders relevant wurden genannt:

  • eine klare strategische Ausrichtung der Leistungsplanung,
  • angepasste Personal- und Qualifikationskonzepte,
  • standardisierte und verlässliche Abläufe im OP und in der Nachsorge.

Diese Themen wurden in Expertengruppen der Verbundhäuser intensiv diskutiert und bildeten den Rahmen für den interaktiven Teil des Lunchtime Talks.

Frühe Identifikation von Hybridfällen

Ein wiederkehrender Erfolgsfaktor ist die möglichst frühe Festlegung, ob ein Fall ambulant, hybrid oder stationär behandelt wird. Idealerweise erfolgt diese Entscheidung bereits beim Erstkontakt mit der Patientin oder dem Patienten.

In der Praxis kommen dafür unterschiedliche Ansätze zum Einsatz:

  • Checklisten im Belegungs- und Aufnahmemanagement
  • Einbindung von Kodierfachkräften oder Fallmanager:innen bei der Aufnahme
  • erste Überlegungen zu KI-gestützten Einschätzungen auf Basis von Freitextinformationen

Gleichzeitig wurde offen angesprochen, dass intraoperative Komplikationen diese Planung jederzeit verändern können. In solchen Fällen steht die medizinische Entscheidung im Vordergrund; eine saubere ärztliche Dokumentation ist dann entscheidend.

Personal, OP-Organisation und Prozesse

Im Bereich Personal betonte Dr. Leonhardt, dass Hybridleistungen häufig eine andere Besetzung erfordern als klassische stationäre Eingriffe. Viele Häuser berichten, dass erfahrene Fachärzt:innen ein wichtiger Faktor für Wirtschaftlichkeit und Prozesssicherheit sind, während der Weiterbildungsauftrag gleichzeitig bestehen bleibt.

Weitere praxisnahe Ansätze aus den Häusern waren unter anderem:

  • flexiblere Personalkonzepte im Funktionsdienst (z. B. Einsatz von MFA),
  • Einbindung niedergelassener Anästhesist:innen,
  • Standardisierung von Eingriffszeiten, Materialeinsatz und Wechselzeiten,
  • Einführung von festen Hybrid-OP-Tagen oder -Slots im Zentral-OP.

Diese Bündelung von Eingriffen führt laut Erfahrungsberichten nicht nur zu besserer Planbarkeit, sondern auch zu spürbaren Lerneffekten in den Teams.

Vor- und Nachsorge sowie regionale Kooperation

Obwohl die Vor- und Nachsorge nicht gesondert vergütet wird, bleibt ihre Organisation ein zentraler Erfolgsfaktor. Besonders bewährt haben sich Modelle, bei denen diese Leistungen in ein MVZ ausgelagert oder eng mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten abgestimmt werden. Für Patientinnen und Patienten ist die Kontinuität – idealerweise durch dieselbe behandelnde Ärztin oder denselben Arzt – ein zusätzlicher Qualitätsgewinn.

Fazit

Dieser Lunchtime Talk zeigte deutlich: Ambulantisierung und Hybridisierung sind keine rein abrechnungstechnischen Themen, sondern tiefgreifende Transformationsprozesse für Krankenhäuser. Wer frühzeitig steuert, datenbasiert entscheidet und Prozesse konsequent anpasst, kann die neuen Versorgungsformen nicht nur bewältigen, sondern aktiv gestalten.